Die Schleppe der Mainzerin
Als in Mainz einmal ein Priester in der Kirche umherging, um die Gemeinde mit Weihwasser zu besprengen, fand er an der Kirchentür eine Dame, die war wie ein Pfau geputzt, und ihr Kleid war voll bunter und
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goldener
Stickereien und hatte eine überaus lange Schleppe. Wie der Priester
diese Schleppe besah, merkte er, daß eine Menge kleiner Teufelchen darauf
saß, klein wie die Rollmäuse und schwarz wie die Mohren; sie lachten
und kicherten, klatschten in die Hände und zappelten wie Fische im Netz. Da
beschwor der Priester die Teufelchen, sie sollten sich nicht von der
Stelle rühren, rief das Volk zusammen und zeigte mit dem Finger auf die
Schleppe. Und weil er ein guter und frommer Mann war, so hatte sein Gebet
die Wirkung, daß alles Volk die kleinen Teufelchen erblickte. Die Dame wurde
purpurrot und eilte alsbald nach Hause, um andere Kleider anzulegen. Aber
unterwegs lief ihr alles nach und zeigte auf die Teufelchen, welche zum Gelächter
der Leute fortfuhren zu kichern, zu klatschen und zu zappeln. Seitdem kamen
bei den Mainzer Damen die Schleppen für lange Jahre aus der Mode, nur in der
letzten Zeit glauben viele
Mainzerinnen nicht mehr an Teufel und haben sich wieder Schleppen angeschafft.