Der Klopfgeist von Mainz

 

Um das Jahr 860 nach Christi Geburt hat in Mainz ein böser Geist drei Jahre lang die ganze Stadt in Unruhe versetzt. Es wird berichtet, daß er aus den Fenstern der Häuser Steine auf die Vorübergehenden geworfen und des Nachts so gepoltert habe, daß die Wände gebebt hätten. Er habe an die Haustüren geklopft, geredet, geschrieen, die Leute im Schlaf gestört und überall Unfrieden gesät. Er habe es besonders auf einen Bürger abgesehen gehabt, habe die ganze Stadt gegen diesen Mann erregt, ihm die Scheune mitsamt dem frisch geernteten Getreide angezündet und schließlich jedes Haus aufbrennen lassen, das der Ärmste betreten habe, so daß der Mann zuletzt nur noch im freien Felde sicher gewesen ist. Wie die Priester Litaneien gebetet und alles mit Weihrauch besprengt hät­ten, habe der Spuk auf eine Weile aufgehört. Dann aber habe der Geist grässlich geschrieen und gesagt, jetzt habe er sich in das Gewand eines Prie­sters gesteckt, und zugleich habe er diesen Priester der abscheulichsten Sünden beschuldigt. Alle Leute hörten den Geist reden und heulen, bald bei Nacht und bald bei Tage, aber gesehen hat ihn niemand. Wie man aber nicht nachließ, auf ihn einzureden und ihn zu bannen, ist er endlich nach drei Jahren ausgefahren.

zurück