Der Eichelstein
Zu Mainz ragt aus dem Wall der Zitadelle ein mächtiger Mauerblock empor, dessen dunkle, runde, turmartige Masse früher mit Quadern und Platten bedeckt war. Es ist der Kern eines Denkmals, das die dankbaren römischen Legionen ihrem Feldherrn Drusus gesetzt haben, der hier im Jahre 9 vor Christi Geburt noch in jugendlichem Alter starb. Die düstere Farbe des Eichelsteins, wie das Denkmal des Drusus auch genannt wird, hat zu einer merkwürdigen Sage Anlaß gegeben:
In dem römischen Heer, das noch lange nach Drusus Tod in den befestigten Lagern am Rhein die Grenzwacht hielt, waren auch viele Christen, die in dem Mainzer Lager auf einer Erhöhung eine kleine Kirche bauten, um ihren Gottesdienst ausüben zu können, wogegen die römischen Feldherren nichts einzuwenden hatten. Den Teufel aber verdroß das, und er wollte den heidnischen Götzendienst über das ihm so verhaßte Kreuz triumphieren lassen. Er schleppte also einen ungeheuren Stein herbei, auf dem dann hoch oben ein heidnisches Götzenbild thronen sollte, für die Soldaten ein Wahrzeichen, das Kreuz zu meiden. Ehe er aber noch zur Aufstellung des Götzenbildes gelangen konnte, hatte der vorüberziehende Engel der Morgenröte die Absicht des Satans entdeckt und darüber dem Herrn des Himmels berichtet. Da gebot dieser einer Engelschar, zur Erde Niederzueilen, um das Teufelswerk zu zerstören. Kaum aber sah der Teufel die Schar der Engel, als er auch schon alles im Stich ließ und Reißaus nahm. Die Engel aber führten ihren Auftrag aus, und es blieb von dem Stein nur der dunkle Rest, den man heute noch sieht.