Die Bäckerjahnin
Früher konnte man auf dem alten Weisenauer Weg ein Kruzifix sehen, welches, laut der Inschrift, eine reiche Bäckersfrau von Mainz, die Bäkkerjahnin genannt, an dem Ort errichten ließ, wohin sie sich unter Bettelkleidern gegen die Raubgierde der Soldaten gerettet hatte. Meine selige Mutter hat diese sonderbare Geschichte von einer Enkelin der Bäckerjahnin folgendermaßen erzählen gehört: Nachdem Gustav Adolf bei Oppenheim über den Rhein gegangen war und die Spanier nach Mainz zurückgejagt hatte, kam unter die Bürger die Sage, er wolle die Stadt der Plünderung preisgeben. Auf diese Nachricht habe die Bäckerjahnin ihr bares Geld, was größtenteils in Gold bestand, in ein schlichtes Bettelkleid genäht und sich aus der Stadt nach Weisenau flüchten wollen, als grade die Schweden schon von diesem Ort her auf Mainz losgingen. In dieser Überraschung habe sie selbst bei den Offizieren gebettelt; diese aber ihr Almosen versprochen und sie nach dem Haus der reichen Bäckerjahnin gefragt.